Der Ev.-Luth. Johannisfriedhof in Dresden Tolkewitz

Der alte Johanniskirchhof

Die Wurzeln des Johannisfriedhofes reichen zurück bis in das Jahr 1571. Damals ließ der Rat einen neuen Friedhof, den Kirchhof St. Johannis, mit einer Begräbniskirche anlegen, nachdem der Frauenkirchhof und der Gottesacker um das Bartholomäushospital nicht mehr ausreichten. Im Jahre 1575 eingeweiht, wurde der Friedhof infolge der Pest mehrfach erweitert.

Bekannte Dresdner wie z.B. der Erbauer der Frauenkirche, George Bähr, sowie der größte sächsische Orgelbauer, Gottfried Silbermann, fanden dort ihre letzte Ruhestätte.

Der Friedhof wurde im Jahre 1814 geschlossen und damit dem Verfall preisgegeben. Aus diesem Grund beschloss die Stadt im Jahre 1854 die Säkularisierung des Friedhofs. Trotz Bürgereingaben wurde die Säkularisierung durch eine komplette Räumung im Jahr 1858 vollzogen.

Heute befindet sich auf diesem Gelände ein Teil des Dresdner Stadtzentrums (Lingnerallee).

Der neue Johannisfriedhof

1875 erwarb man im Tolkewitzer Tännicht mehrere Parzellen Land, die sich wegen ihrem sandigen Boden sehr gut für eine Friedhofsanlage eigneten. Somit entstand der größte zentrale kirchliche Begräbnisplatz Dresdens mit 25 ha.

Die Tolkewitzer und Neuseidnitzer Bewohner protestierten lange gegen die Errichtung des Friedhofs. Trotzdem erfolgte am 16. Mai 1881 seine Weihe. Die Gemüter beruhigten sich erst, als der Friedhof an den öffentlichen Linienverkehr der Pferdebahn und der Dampfschifffahrt angeschlossen wurde.

1894 wurde auf dem Johannisfriedhof die imposante, im Stile der Neorenaissance geschaffene Trauerhalle vom Berliner Reichstagsarchitekten Paul Wallot errichtet. Heute haben hier bis zu 100 Personen Platz.

Unzählige herausragende Dresdner Persönlichkeiten – von Industriellen, Professoren und Direktoren bis hin zu Bürgermeistern, Schauspielern und Wissenschaftlern fanden hier ihre letzte Ruhestätte.

Bedeutende Bildhauer und Architekten schufen zahlreiche imposante Grabdenkmäler, die den wachsenden Wohlstand des Dresdner Bürgertums sowie dessen Kunstsinn widerspiegeln.

Noch heute beeindrucken die prächtigen Hauptwege durch ihre prunkvollen Grabdenkmäler aus der Zeit des Historismus und des Jugendstils.

Das dunkelste Kapitel seiner Geschichte erlebte der Johannisfriedhof im Februar 1945. In den Tagen nach dem 13. Februar 1945 wurden über 3700 Opfer des Bombenangriffs auf Dresden bestattet. Heute mahnt und erinnert der so genannte „Ehrenhain“, ein in den siebziger Jahren umgestaltete Begräbnisplatz mit neu saniertem Brunnen, an sie.

Auch heute ist der Johannisfriedhof Ort von vielfältiger Bedeutung für die Dresdner Bevölkerung. Für die einen ist er ein Ort der Erinnerung und des Gedenkens für die anderen bietet er Raum für Erholung und Entspannung. Aber vor allem ist er ein Ort vielfältiger Begegnungen.