Die Sanierung der Grabstelle Ernemann geht weiter

Im März erfolgte der Rückbau der Balustrade rechts und links des Hauptgrabmals und die anschließende Erneuerung der völlig desolaten Fundamente.

Nach der Reinigung der Bauteile und der Neuvergoldung der Amphorenmündungen und -bauchringe, erfolgte im Juni der Wiederversatz der Balustrade, sowie die Neuvergoldung der Schriftzüge.

Der Einbau der Stahlkante erfolgte in der vergangenen Tagen, somit sind die Baulichkeiten an der Grabstelle abgeschlossen. Die Neubegrünung ist im Oktober geplant.

 

Teil 1 der Grabstellensanierung finden Sie hier.

Dem Engel Flügel verleihen – Rückkehr der Auferstehenden

Die prächtige Ruhestätte der Familie Roetzschke gehört zu einer geschlossen erhaltenen Reihe repräsentativer Wandgräber an der Friedhofsmauer an der Wehlenerstraße in der Nähe der Feierhalle mit vorgelagerter Gruft. In bühnenhafter Inszenierung hebt eine geflügelte weibliche Figur aus weißem Carraramarmor ihre Arme vor schwarzem schwedischem Mikrogabbro gen Himmel.

 

Ansicht der Grabstelle vor der Restaurierung / Foto: Sebastian Koch

 

Ihre Gestaltung lässt vermuten, dass es sich nicht nur um eine Auferstehungsallegorie handelt, sondern um die idealisierte Darstellung der jungen Gertrud Roetzschke, die hier im Alter von 39 Jahren beigesetzt wurde. Das engelsgleiche Wesen steht hinter dem Kopfende eines reich geschmückten Marmorsarkophages. Er ist verziert mit Festons, einem Blumenkranz, Puttenköpfen und Palmwedel. Die rechteckige Grabstätte wird von Rundpfosten aus dunkelgrauem Lausitzer Mikrogabbro eingefasst, die durch kunstvoll ausgeführte schmiedeeiserne Festons miteinander verbunden sind.

Typisch für die Zeit des Späthistorismus um 1900 zitiert das Grabmal Bauformen der Antike und der italienischen Hochrenaissance. Der Kaufmann Alfred Roetzschke, der durch Unternehmungen in Manila zu großem Vermögen gekommen war, ließ die 1895 erworbene Grabstätte für 300 000 Mark ausschmücken.

Der Berliner Bildhauer Professor Gustav Heinrich Eberlein hat mit dem Prunksarkophag und der Auferstehenden ein überquellendes, erzählfreudiges Hauptwerk seiner Zeit geschaffen. Eberlein gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Bildhauer, Maler, Kunstgewerbler, Schriftsteller und Kulturpolitiker um 1900. Zu seinen Werken zählen das Goethedenkmal in Rom, das Richard-Wagner-Denkmal in Berlin, Nationaldenkmäler in Buenos Aires und der Deutsche Brunnen in Santiago de Chile. Die Marmorfigur des Grabmals Roetzschke ist die bedeutendste Grabplastik seines Schaffens.

 

Am Donnerstag, den 20. Mai schwebte die Auferstehende unter großem medialen Interesse wieder zurück auf die Grabstelle. Im Herbst 2020 wurde sie für die Restaurierung in der Restaurierungswerkstatt Christoph Hein GmbH verbracht. Mit viel Feingefühl restaurierten Frau Krause und ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen dieses wertvolle Kunstwerk, es erfolgten neben den Reinigungs- und Entsalzungsarbeiten auch eine Versorgung der Risse und zum Schluss der Auftrag eines Schutzwachses.

Um diese Grabanlage mit der wertvollen Plastik zu erhalten, beantragten wir Fördermittel bei Bund und Land. Die Kosten der Restaurierung betrugen 23.800 Euro, davon waren 15.700 Euro Fördermittel vom Bund und Freistaat Sachsen. Der Friedhof wendete Eigenmittel in Höhe von 8.100 Euro auf.

Die Grabstelle Roetzschke zählt zu den 23 national bedeutenden Grabstellen von insgesamt 423 Einzeldenkmalen auf dem Johannisfriedhof, welche in der Broschüre „Steine erzählen Geschichte(n)“ vorgestellt werden.

Sanierung der Grabstelle von Heinrich Ernemann

Am 19. Mai 1928 wurde auf dem Ev.-Luth. Johannisfriedhof unter großer Anteilnahme Heinrich Ernemann in der 1917 für seine Ehefrau Therese Ernemann geb. Grafe errichteten Grabstelle in der Grababteilung 2.H bestattet. Auch Oberbürgermeister Dr. Bernhard Blüher zählte zu den Trauergästen.

„Wer mir die Arbeit nimmt, nimmt mir das Leben“ war eines seiner Leitsätze, so schreibt es der Dresdner Anzeiger in seinem Nachruf am 20. Mai 1928.

Heinrich Ernemann gehörte zu den deutschen Unternehmerpersönlichkeiten, die nach 1871, aus untersten sozialen Schichten stammend, mit Energie und Gespür für zukünftige Trends der Warenproduktion ihre Firmen zu national wie international geachteten Branchenakteuren führten. Als geistiger, finanzieller und organisatorischer Kopf der Ernemann-Werke Dresden etablierte Ernemann die industrielle Foto- und Filmgerätefabrikation in Deutschland, indem er einerseits den Markt für solche Waren erkannte und bereitete sowie andererseits eine für die Massenherstellung notwendige Betriebsstruktur konsequent durchsetzte.

 

 

Heinrich Ernemann war der Begründer der Ernemann-Werke AG. 1897 legte er den Grundstein für ein neues Fabrikgelände an der Schandauer Straße in Dresden, das im Herbst 1923 mit dem Ernemann-Turm eingeweiht wurde. Heute sind hier die Technischen Sammlungen untergebracht.

1925 ging der mittlerweile 75-jährige Generaldirektor Ernemann eine Interessengemeinschaft mit der Internationalen Camera Actiengesellschaft, der Contessa-Nettel AG und der Optischen Anstalt Goerz AG ein. 1926 erfolgte die Firmierung zum Zeiss Ikon-Konzern. Es entstand das größte Unternehmen der Fotobranche in Europa, hinter Eastman Kodak Ltd. das zweitgrößte weltweit. Ernemann blieb bis zu seinem Tod Aufsichtsrat bei Zeiss Ikon, was die tiefe Bindung an sein Lebenswerk unterstreicht.

 

 

Nachdem Zeiss Ikon nach 1945 zunächst in einen Volkseigenen Betrieb umgewandelt worden war, erfolgte 1958 eine Umbenennung in VEB Kinowerke Dresden. Durch eine weitere Fusion entstand im folgenden Jahr ein neuer Großbetrieb der fotografischen Industrie in Dresden, der VEB Kamera- und Kinowerke Dresden. Ab 1964 firmierte das Unternehmen dann als VEB Pentacon Dresden.

Die Familie flieht nach dem Krieg nach Stuttgart und Wiesbaden, die Unterhaltung der Grabstelle wird aus der Ferne sehr schwierig. 1985 gibt Rosemarie Ernemann die Grabstelle an die Friedhofsverwaltung zurück. VEB Pentacon übernimmt von nun an die Kosten für die Pflege der Grabstelle. Ab 1999 treten die Technischen Sammlungen in den Vertrag ein.

In den letzten Jahren setzte sich, durch Einwirkung des Frostes auf die Fundamente, die Balustrade rechts und links des Hauptgrabmals immer mehr, die Grabanlage wurde immer baufälliger. Es drohte der Rückbau.

Wir als Friedhofsverwaltung nahmen uns dem Einzeldenkmals an. Schrieben die notwendigen Arbeiten in Rücksprache mit dem Amt für Kultur- und Denkmalschutz und den Technischen Sammlungen aus. Nach Auswertung der Angebote stellten wir den Antrag auf Förderung der Arbeiten beim Stadtbezirksbeirat Blasewitz. Wir haben uns sehr gefreut als unserem Antrag in der Sitzung am 24. Februar einstimmig zugestimmt wurde.

 

 

Mitte April 2021 soll nun mit den Arbeiten begonnen werden. Im Zuge der Fundamenterneuerung erfolgt auch die Nachvergoldung der Inschriften und die gärtnerische Neubegrünung im Herbst 2021.

 

Die Grabstelle befindet sich in der Grababteilung 2.H, rechts neben der Feierhalle.