Naturdenkmal Ulmenhauptallee

Der Johannisfriedhof war besonders während der Pandemie, als alle Museen, Bibliotheken und sogar Spielplätze geschlossen waren ein wichtiger Naherholungsort für die Menschen in Dresden, ein lebendiges Geschichtsbuch, eine vielseitig genutzte Parkanlage.

Viele nutzen die Zeit für einen Spaziergang entlang der Alleen und bestaunten die national wertvollen Grabstellen. Die Alleen sind bildprägend und besonders wichtig für das Klima auf dem Friedhof, sie sind ein wertvoller Rückzugsort für die Fauna, da der Johannisfriedhof zu den großen Grünflächen des Stadtbezirkes Tolkewitz zählt.

Der Unterschied wird besonders deutlich, wenn man die Ulmenhauptallee an der 4. Abteilung und den Hauptweg an der 5. Abteilung (frühere Pappelallee) vergleicht. Die Hitze- und Staubentwicklung ist eine ganz andere und es gibt wichtige Zwischenvegetation in den Randbereichen. Eine Allee lädt immer zum Verweilen ein, so konnten und können wir es deutlich beobachten.

Die markante Ulmenhauptallee zwischen der 3. und 4. Grababteilung wurde, so vermuten wir, um 1890 gepflanzt; 96 Bäume werden es zur damaligen Zeit gewesen sein.

Nach der Vergabe der Nutzungsrechte erfolgte der Bau der monumentalen Denkmale, teilweise mit unterirdischen Gruftanlagen. Die Grabeinfassungen reichten fast bis an die damaligen Jungbäume. Durch das Wachstum der Ulmen und der Ausbildung dieser typischen Brettwurzeln wurden sämtliche Grabanlagen in Mitleidenschaft gezogen, darunter auch national wertvolle Einzeldenkmale.

Detailaufnahme – verdrückte Einfassungen und Ziergitter

Abgängige Bäume wurden in den darauffolgenden Jahrzehnten teilweise durch Linden ersetzt, welche ganz unterschiedliche Stammdurchmesser aufweisen. Die Nachpflanzungen am gleichen Standort, so vermuten wir, erfolgte je nachdem ob finanzielle Mittel zur Verfügung standen.

2005 zählte diese markante Allee noch 31 Exemplare, die sich alle in der Alterungsphase befinden und durch den Ulmensplintkäfer, die holzzersetzenden Pilze und die klimatischen Veränderungen (lange Trocken- und Hitzeperioden) stark gestresst werden.

In den darauffolgenden Jahren wurden weitere abgängige Ulmen gefällt, 2019 zählte diese markante Allee noch 26 Exemplare. Weitere Fällungen mussten auf Grund der nicht mehr gegeben Verkehrssicherheit 2020 erfolgen.

Die Abgängigkeit weiterer Bäume, veranlasste uns einen externen Baumkontrolleur mit der Begutachtung der noch vorhandenen Ulmen zu beauftragen.

Neun Bäume wiesen so starke visuelle Schädigungen auf, dass diese als nicht mehr verkehrssicher eingestuft wurden. Die zusätzlichen Befunduntersuchungen Schalltomographie und Zugversuch bestätigten leider die nicht mehr gegeben Verkehrssicherheit. Mit dem Zugversuch, lässt sich eine Aussage zur Bruchsicherheit des Baumes treffen. Die Schalltomographie gibt Auskunft zu Restwandstärken der Bäume.

Die Fällung der neun Bäume erfolgte im Februar 2020.

Mit dem Bewusstsein, das jeder weitere Fällung den Verlust des Alleecharakters darstellt, veranlassten wir eine Gesamtbetrachtung der Ulmenhauptallee einschließlich dem Hauptweg und seiner einbindenden Nebenwege.

Die Ergebnisse der ersten Planungsentwürfe und Vorplanung ergaben, dass nur durch eine abschnittweise Sanierung der gesamten Ulmenhauptallee über die nächsten Jahre perspektivisch wieder eine Hauptallee auf unserem Johannisfriedhof heranwachsen wird.

Die Sanierung der Allee soll bauabschnittsweise in fünf Bauabschnitten erfolgen.

Da die noch vorhandenen Bäume viel zu nah an den national bedeutenden Grabstellen stehen, soll die Allee um mindestens zwei Meter schmaler werden, Flächen entsiegelt und die Wegedecken saniert werden.

Das Niederschlagswasser soll nicht mehr der öffentlichen Kanalisation zugeführt werden, sondern auf den Friedhofsflächen und am Rand der Allee versickern.

Geplanter 1. Bauabschnitt
Oktober 2021: Blick vom Eingang Tolkewitzer Straße in die Ulmenhauptallee, es fehlen allein auf diesem Bauabschnitt 23 Bäume, die Ausgleichs- und Deckschichten des Hauptweges sind nicht mehr vorhanden
Oktober 2021: Blick vom Friedhof zum Ausgang Tolkewitzer Straße – die Lücken in der Allee sind deutlich sichtbar, ebenfalls der desolate Wegebelag

Im Oktober 2021 stellten wir die Förderanträge bei den verschiedensten Institutionen und haben großes Glück, denn wir erhalten sowohl Fördermittel vom Stadtbezirksamt Dresden Blasewitz, dem Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft und vom Landesamt für Denkmalpflege Sachsen.

Am 8. August 2022 war Baustart für den ersten Bauabschnitt. Wir hoffen sehr, dass die Arbeiten Ende Oktober fertig sein werden.

Folgende Arbeiten werden in den nächsten Wochen ausgeführt werden:

  1. Fällung von sieben Ulmen (vier wurden bereits im Januar gefällt) und anschließendes Ausfräsen der Baumstuppen
  2. Außerbetriebnahme der Entwässerung in diesem Teilbereich, die desolate Kanalisation entwässert von der Tolkewitzer Straße zur Wehlenerstraße
  3. Abbrucharbeiten, d.h. Flächenentsieglung, Abbruch und Lagerung der vorhandenen historischen Wegekanten
  4. Sanierung der Wegedecke
  5. Bau einer notwendigen Wegeentwässerung entlang der Allee um die Jungbäume mit Wasser zu versorgen
  6. Pflanzung von 30 Ulmen
  7. Gestaltung des Eingangsbereiches mit einer Neuanordnung des Schaukastens, Bänken und des Gießkannenständers
August 2022: Blick vom Friedhof zum Ausgang Tolkewitzer Straße
August 2022: Blick vom Eingang Tolkewitzer Straße in die Ulmenhauptallee

Sanierung der Grabstelle Max Bertram

Die Sanierung der Ruhestätte des Königlich Sächsischer Gartenbaudirektors Max Bertram (1849-1914) auf unserem Johannisfriedhof mit Hilfe des Stadtbezirksamtes Dresden Blasewitz 2022.

Leider wurde auch diese Grabstätte von den Angehörigen aus den verschiedensten Gründen in einem sehr bedauerlichen Zustand an uns als Friedhofsverwaltung zurückgegeben.

Zustand der Grabstelle im Dezember 2020

Max Bertram (1849-1914) in Hofuniform
Quelle: Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.

Max Bertram (1849-1914) realisierte als freischaffender Gartenkünstler und im Auftrag des sächsischen Königshauses zahlreiche gärtnerische Anlagen, die Mehrzahl davon in Sachsen. Dabei folgte er stets den Gestaltungsprinzipien der Lenné-Meyer’schen Schule, die er auch künftigen Generationen zu vermitteln suchte.

Frühzeitig erkannte Bertram den besonderen Wert urbaner Freiräume als „grüne Lungen“ der expandierenden Industriestädte. Er forderte, die Parkanlagen möglichst allen Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen, da Gärten aus seiner Sicht kein Luxus waren, sondern ein wichtiges Erfordernis für die schnell wachsenden Städte im Industriezeitalter.

Allein in Sachsen schuf er 200 Projekte. Sein Leistungsspektrum reichte von Planungen für Dresdner Privatgärten, wie etwa den der Rothermundt-Villa oder den von Gottlieb Traugott Bienert in Dresden-Plauen, über öffentliche Aufträge, wie den Promenadenanlagen in Bad Schandau oder den Gärten und Plätzen zwischen den ausgedehnten Militärbauten in der Dresdner Albertstadt, bis hin zu Begräbnisstätten, wie den Neuen Annenfriedhof in Dresden-Löbtau oder den Nikolaifriedhof in Pirna. Außerdem oblag Bertram als Direktor der Ersten, Zweiten und Dritten Internationalen Gartenbauausstellung in Dresden sowohl die Entwurfsplanung als auch die Anlageleitung.

Des Weiteren ist Bertrams Rolle als Mitbegründer der „Gartenbauschule des Gartenbauverbandes für das Königreich Sachsen“ 1892 in Dresden hervorzuheben, die er 1893 bis 1907 als Direktor im Nebenamt leitete. Hier lehrte Bertram 1892 bis 1914 die Fächer Freihand-, Linear- und Planzeichnen, Landschaftsgärtnerei, Feldmessen, Gartentechnik sowie Gartenkunst. Die Schule widmete sich der theoretischen Ausbildung junger Gartenkünstler.

In Anerkennung seiner Verdienste erhielt Bertram mehrere Auszeichnungen, darunter den 1893 verliehenen Ehrentitel „Königlich Sächsischer Gartenbaudirektor“ und den vom preußischen König Wilhelm II. 1895 in Blasewitz verliehenen Kronenorden vierter Klasse. Für die im Rahmen der Zweiten Internationalen Gartenbauausstellung in Dresden durchgeführten Planungen wurden ihm 1896 das Ritterkreuz erster Klasse des sächsischen Albrechtsordens sowie das Ritterkreuz vierter Klasse des königlich bayerischen Verdienstordens vom heiligen Michael verliehen.

Am 9.6.1914 erlag Bertram den Folgen eines Schlaganfalls und wurde am 12.6.1914 auf dem Johannisfriedhof bestattet. Das Grabmal entwarf der Dresdner Bildhauer Julius Schurig. Fertiggestellt wurde es vermutlich 1915.

Quelle https://saebi.isgv.de/biografie/Max_Bertram_(1849-1914)

Bureau für Straßenbau, Park & Gartenanlagen Bertram & Comp. am Schillerplatz um 1873   
Quelle: Landesamt für Denkmalpflege Sachsen

Grünanlagen sind kein Luxusgut, sie sollen der Öffentlichkeit zugängig gemacht werden.

Max Betram

Den Verfall der Grabstelle wollten wir nicht länger hinnehmen, so wie sich Max Bertram für die Bevölkerung eingesetzt hat, so setzten wir uns in diesem Jahr für die Sanierung seiner Grabstelle ein.

Wir beantragten Fördermittel beim Stadtbezirksamt Dresden Blasewitz und hatten großes Glück die Mittel von den Stadtbezirksbeiräten und Stadtbezirksbeirätinnen im März bewilligt zu bekommen.

Zustand der Grabstelle im Frühjahr 2022 – das Bronzerelief wurde zwischenzeitlich sichergestellt

Im April konnte mit den Arbeiten begonnen werden.

Rodung der vorhandenen Sträucher durch die Friedhofsgärtnerei

Rückbau der desolaten Einfassung

Neuversatz der Grabeinfassung und Stufenanlage

Mutterbodenauftrag durch die Friedhofsgärtnerei

Reinigung des Grabmals und Anbringung des Bronzereliefs – Bepflanzung der Grabstelle durch den Freundeskreis Trinitatis- und Johannisfriedhof im Juni

Wir freuen uns, dass im Juni die Arbeiten zu Ende gebracht werden konnten und bedanken uns recht herzlich beim Stadtbezirksamt Dresden Blasewitz für die finanzielle Unterstützung und beim Freundeskreis des Trinitatis- und Johannisfriedhof für die Bepflanzung der Grabstelle.

Schaukasten und Gießkannen für den Johannisfriedhof

Über viele Jahre haben wir Jahr für Jahr neue Gießkannen für unseren Friedhof erworben um den Angehörigen und Besuchern unseres Friedhofs die Grabpflege zu erleichtern. Zum Saisonende mit dem Abstellen des Wassers Ende November sammeln wir die Gießkannen wieder ein, damit diese im Winter keinen Schaden nehmen. Leider mussten und müssen wir feststellen, dass immer wieder Gießkannen gestohlen werden Jahr für Jahr.

2021 beantragten wir deshalb beim Stadtbezirksamt Dresden Blasewitz Fördermittel für die Anschaffung von zwei Gießkannenständern mit Pfandsystem. Die Gießkannen können sich für einen Pfand in Höhe von 2 Euro ähnlich wie bei einem Einkaufswagen geliehen werden.

Wir haben uns über die Bewilligung der Mittel sehr gefreut und die Gießkannenständer im Frühjahr 2021 aufgestellt.

Ebenfalls konnten wir mit Hilfe von Fördermitteln des Stadtbezirksamtes Dresden Altstadt einen Schaukasten am Kreuztor aufstellen (siehe oberes Bild), sowie neue Banklatten anschaffen um die maroden Latten unserer Friedhofsbänke zu ersetzen.

Gießkannenständer mit Pfandsystem an der Verwaltung, der zweite steht am Friedhofseingang an der Tolkewitzer Straße, dem Ankertor.

Gießkannen für den Trinitatisfriedhof

Über viele Jahre haben wir Jahr für Jahr neue Gießkannen für unseren Friedhof erworben um den Angehörigen und Besuchern unseres Friedhofs die Grabpflege zu erleichtern. Zum Saisonende mit dem Abstellen des Wassers Ende November sammeln wir die Gießkannen wieder ein, damit diese im Winter keinen Schaden nehmen. Leider mussten und müssen wir feststellen, dass immer wieder Gießkannen gestohlen werden Jahr für Jahr.

2021 beantragten wir deshalb beim Stadtbezirksamt Dresden Altstadt Fördermittel für die Anschaffung von zwei Gießkannenständern mit Pfandsystem. Die Gießkannen können sich für einen Pfand in Höhe von 2 Euro ähnlich wie bei einem Einkaufswagen geliehen werden.

Wir haben uns über die Bewilligung der Mittel sehr gefreut und die Gießkannenständer im Frühjahr 2021 aufgestellt.

Ebenfalls konnten wir mit Hilfe von Fördermitteln des Stadtbezirksamtes Dresden Altstadt zwei neue Schaukästen aufstellen, sowie eine neue Wasserstelle.

Gießkannenständer mit Pfandsystem und neue Wasserstelle hinter dem Begegnungszentrum
Neue Schaukästen auf dem Trinitatisfriedhof in der Nähe der Verwaltung
Ansicht der Grabstelle Ernemann nach erfolgreicher Sanierungmit Frühjahrsbepflanzung 2022

Grabstelle Ernemann – die erste Frühjahrsbepflanzung nach Abschluss der Sanierung

Im vergangenen Jahr konnten die Arbeiten an der Grabstelle Ernemann abgeschlossen werden. In diesem Frühjahr erfreuen wir uns an der gelungen Grabbepflanzung, die hellen und dunklen Tulpen stehen sinnbildlich für Ernemanns Schaffen in der Foto- und Filmindustrie.

Grabstelle von Marie Simon – die Steinmetzarbeiten sind abgeschlossen

Ende September konnten die Steinmetzarbeiten an der Grabstelle abgeschlossen werden. Wir sind sehr froh, das die Grabstelle nun wieder standsicher ist. Bedanken möchten wir uns bei Stadtbezirksamt Altstadt und beim Deutschen Roten Kreuz Landesverband Sachsen e.V. für die Unterstützung.

Im nächsten Jahr sollen sich nun die restauratorischen Arbeiten anschließen.

Teil 1 der Sanierungsarbeiten finden Sie hier.

Die Sanierung der Grabstelle Ernemann ist abgeschlossen

Am 8. Oktober 2021 wurden die Arbeiten an der Grabstelle abgeschlossen. Die Mitglieder des Freundeskreises bepflanzten die Grabstelle und steckten Blumenzwiebeln. Die Pflanzen konnten aus Mitteln des Freundeskreises und einer privaten Spende finanziert werden.

Wir freuen uns sehr, dass die Grabstelle nun wieder so ansprechend der Öffentlichkeit präsentiert werden kann und bedanken uns beim Stadtbezirksamt Blasewitz, beim Amt für Kultur- und Denkmalschutz, bei den Technischen Sammlungen und beim Freundeskreis des Trinitatis- und Johannisfriedhofs für die Unterstützung.

Teil 1 der Grabstellensanierung finden Sie hier.
Teil 2 der Grabstellensanierung finden Sie hier.

Grabstelle von Marie Simon (1824-1877) – eine fast vergessene Vorkämpferin des Roten Kreuzes in Sachsen

Portrait Marie Simon (Quelle: Wikipedia)

Marie Simon widmete sich der Ausbildung von Pflegekräften und baute eine systematische Pflegeausbildung auf. Es ist ihr Verdienst, dass Krankenpflege als Beruf anerkannt und der zukünftigen Pflegekraft ein fundiertes Wissen vermittelt wurde. Ihre Tätigkeit wurde durch mehrere Auszeichnungen der Könige von Sachsen und Preußen sowie des österreichischen Kaisers gewürdigt. Ihr zu Ehren bedachte Königin Carola den Albert-Verein in ihrem Testament mit 20.000 Mark zur Unterstützung mittelloser Patienten. Die Kronprinzessin selbst hatte Marie Simon als einzige Bürgerliche zum Mitglied des Direktoriums des Albertvereins nach dem Ende des Deutschen Krieges berufen.

Quelle: Berliner Pflegekonferenz – Marie Simon Pflegepreis (berliner-pflegekonferenz.de)

Leider geriet die Begräbnisstätte von Marie Simon über die Jahre in Vergessenheit, obwohl doch die Thematik Pflege präsenter ist als je zuvor. Das einst mondäne Grabdenkmal der Grabstelle auf unserem Trinitatisfriedhof verfiel immer mehr, es gibt keine Nachkommen mehr, welche sich um deren Erhalt kümmern.

Der Marie Simon Preis, welcher jährlich an innovative und kreative Pflegeprojekte in der Praxis verliehen wird, hält heute noch die Erinnerung an sie wach.

Inschrift auf dem Grabmal (Foto wurde bearbeitet, um die Inschrift besser sichtbar zu machen)

Der DRK-Kreisverband Dresden e.V. und der DRK-Landesverband Sachsen e.V. haben es sich nun zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung an Marie Simon und ihr Wirken für das Rote Kreuz in Sachsen aufzuarbeiten und ihr Grab bis zu ihrem 200. Geburtstag im Jahr 2024 wieder gebürtig erscheinen zu lassen.

Wir als Friedhofsverwaltung unterstützen dieses wichtige Projekt um die Erinnerung an Marie Simon wach zu halten. Wir schrieben die notwendigen restauratorischen Arbeiten und Steinmetzarbeiten am Grabdenkmal in Abstimmung mit dem Amt für Kultur- und Denkmalschutz aus und beantragten erst einmal Fördermittel für die dringend notwendigen Steinmetzarbeiten beim Stadtbezirksamt Dresden Altstadt. Wir hatten großes Glück, im März 2021 erhielten wir die Förderzusage über 7.000,00 €, die Eigenmittel in Höhe von 4.000,00 € bringen der DRK-Kreisverband Dresden e.V. und der DRK-Landesverband Sachsen e.V. auf.

Im Mai begannen die ersten Arbeiten und es erfolgte der Rückbau des Grabdenkmals bis auf den Sockel. Der Bewuchs und Unrat, welcher sich zwischen Friedhofsmauer und Grabmal befand wurde entfernt. Einige Grabmalteile aus Sandstein wurden in der Steinmetzwerkstatt neu gefertigt, da die Originalbauteile sehr stark verwittert waren und nicht wieder verwendet werden konnten.

Im August konnte mit dem Wiederaufbau begonnen werden, welcher nun kurz vor dem Abschluss steht.

Die Sanierung der Grabstelle Ernemann geht weiter

Im März erfolgte der Rückbau der Balustrade rechts und links des Hauptgrabmals und die anschließende Erneuerung der völlig desolaten Fundamente.

Nach der Reinigung der Bauteile und der Neuvergoldung der Amphorenmündungen und -bauchringe, erfolgte im Juni der Wiederversatz der Balustrade, sowie die Neuvergoldung der Schriftzüge.

Der Einbau der Stahlkante erfolgte in der vergangenen Tagen, somit sind die Baulichkeiten an der Grabstelle abgeschlossen. Die Neubegrünung ist im Oktober geplant.

 

Teil 1 der Grabstellensanierung finden Sie hier.

Sanierung der Grabstelle von Heinrich Ernemann

Am 19. Mai 1928 wurde auf dem Ev.-Luth. Johannisfriedhof unter großer Anteilnahme Heinrich Ernemann in der 1917 für seine Ehefrau Therese Ernemann geb. Grafe errichteten Grabstelle in der Grababteilung 2.H bestattet. Auch Oberbürgermeister Dr. Bernhard Blüher zählte zu den Trauergästen.

„Wer mir die Arbeit nimmt, nimmt mir das Leben“ war eines seiner Leitsätze, so schreibt es der Dresdner Anzeiger in seinem Nachruf am 20. Mai 1928.

Heinrich Ernemann gehörte zu den deutschen Unternehmerpersönlichkeiten, die nach 1871, aus untersten sozialen Schichten stammend, mit Energie und Gespür für zukünftige Trends der Warenproduktion ihre Firmen zu national wie international geachteten Branchenakteuren führten. Als geistiger, finanzieller und organisatorischer Kopf der Ernemann-Werke Dresden etablierte Ernemann die industrielle Foto- und Filmgerätefabrikation in Deutschland, indem er einerseits den Markt für solche Waren erkannte und bereitete sowie andererseits eine für die Massenherstellung notwendige Betriebsstruktur konsequent durchsetzte.

 

 

Heinrich Ernemann war der Begründer der Ernemann-Werke AG. 1897 legte er den Grundstein für ein neues Fabrikgelände an der Schandauer Straße in Dresden, das im Herbst 1923 mit dem Ernemann-Turm eingeweiht wurde. Heute sind hier die Technischen Sammlungen untergebracht.

1925 ging der mittlerweile 75-jährige Generaldirektor Ernemann eine Interessengemeinschaft mit der Internationalen Camera Actiengesellschaft, der Contessa-Nettel AG und der Optischen Anstalt Goerz AG ein. 1926 erfolgte die Firmierung zum Zeiss Ikon-Konzern. Es entstand das größte Unternehmen der Fotobranche in Europa, hinter Eastman Kodak Ltd. das zweitgrößte weltweit. Ernemann blieb bis zu seinem Tod Aufsichtsrat bei Zeiss Ikon, was die tiefe Bindung an sein Lebenswerk unterstreicht.

 

 

Nachdem Zeiss Ikon nach 1945 zunächst in einen Volkseigenen Betrieb umgewandelt worden war, erfolgte 1958 eine Umbenennung in VEB Kinowerke Dresden. Durch eine weitere Fusion entstand im folgenden Jahr ein neuer Großbetrieb der fotografischen Industrie in Dresden, der VEB Kamera- und Kinowerke Dresden. Ab 1964 firmierte das Unternehmen dann als VEB Pentacon Dresden.

Die Familie flieht nach dem Krieg nach Stuttgart und Wiesbaden, die Unterhaltung der Grabstelle wird aus der Ferne sehr schwierig. 1985 gibt Rosemarie Ernemann die Grabstelle an die Friedhofsverwaltung zurück. VEB Pentacon übernimmt von nun an die Kosten für die Pflege der Grabstelle. Ab 1999 treten die Technischen Sammlungen in den Vertrag ein.

In den letzten Jahren setzte sich, durch Einwirkung des Frostes auf die Fundamente, die Balustrade rechts und links des Hauptgrabmals immer mehr, die Grabanlage wurde immer baufälliger. Es drohte der Rückbau.

Wir als Friedhofsverwaltung nahmen uns dem Einzeldenkmals an. Schrieben die notwendigen Arbeiten in Rücksprache mit dem Amt für Kultur- und Denkmalschutz und den Technischen Sammlungen aus. Nach Auswertung der Angebote stellten wir den Antrag auf Förderung der Arbeiten beim Stadtbezirksbeirat Blasewitz. Wir haben uns sehr gefreut als unserem Antrag in der Sitzung am 24. Februar einstimmig zugestimmt wurde.

 

 

Mitte April 2021 soll nun mit den Arbeiten begonnen werden. Im Zuge der Fundamenterneuerung erfolgt auch die Nachvergoldung der Inschriften und die gärtnerische Neubegrünung im Herbst 2021.

 

Die Grabstelle befindet sich in der Grababteilung 2.H, rechts neben der Feierhalle.