Veröffentlichung des überarbeiteten Übersichtsplan vom Johannisfriedhof

Bedeutende Persönlichkeiten und wertvolle Kulturdenkmale

Neue Erkenntnisse zu zahlreichen Begräbnisstätten auf unserem Johannisfriedhof, machten eine Überarbeitung unseres bestehenden Friedhofsplans unumgänglich und dringend erforderlich.

Im Rahmen einer sehr inspirierenden und konstruktiven Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern des Freundeskreises des Trinitatis- und Johannisfriedhofs, denen unser ausdrücklicher Dank gilt und uns als Friedhofsverwaltung entstand Ende 2019 unser neuer Plan. In diesem stellen wir 100 Begräbnisstätten vor, von bedeutenden Persönlichkeiten und nun auch die 23 national wertvollen Kulturdenkmale, welche in der 2018 veröffentlichen Broschüre „Steine erzählen Geschichte(n)“ vorgestellt werden.

Wir wissen, dass auch dieser Plan nur ein Kompromiss sein kann, denn „den“ Plan kann es auf Grund der Vielschichtigkeit nicht geben. Es entstand die Idee, nicht nur einen Plan, sondern eine Reihe von Themenplänen zu entwickeln, die die thematische Bandbreite, die unser Johannisfriedhof bietet, umfassend abzubilden.

Wir möchten weitere Pläne u.a. zu den Themen Musik und Literatur, Politik oder zur Bildenden Kunst veröffentlichen. Lassen Sie sich überraschen und bleiben Sie neugierig.

Leider mussten wir die Veröffentlichung im Rahmen einer Veranstaltung im vergangenen Jahr immer und immer wieder verschieben, aber wir möchten unseren Plan nun nicht mehr länger der Öffentlichkeit vorenthalten.

Den Plan gibt es ab sofort in unseren Friedhofsverwaltungen oder online über unsere Website, er kostest 1 Euro.

Dem Engel Flügel verleihen – Rückkehr der Auferstehenden

Die prächtige Ruhestätte der Familie Roetzschke gehört zu einer geschlossen erhaltenen Reihe repräsentativer Wandgräber an der Friedhofsmauer an der Wehlenerstraße in der Nähe der Feierhalle mit vorgelagerter Gruft. In bühnenhafter Inszenierung hebt eine geflügelte weibliche Figur aus weißem Carraramarmor ihre Arme vor schwarzem schwedischem Mikrogabbro gen Himmel.

 

Ansicht der Grabstelle vor der Restaurierung / Foto: Sebastian Koch

 

Ihre Gestaltung lässt vermuten, dass es sich nicht nur um eine Auferstehungsallegorie handelt, sondern um die idealisierte Darstellung der jungen Gertrud Roetzschke, die hier im Alter von 39 Jahren beigesetzt wurde. Das engelsgleiche Wesen steht hinter dem Kopfende eines reich geschmückten Marmorsarkophages. Er ist verziert mit Festons, einem Blumenkranz, Puttenköpfen und Palmwedel. Die rechteckige Grabstätte wird von Rundpfosten aus dunkelgrauem Lausitzer Mikrogabbro eingefasst, die durch kunstvoll ausgeführte schmiedeeiserne Festons miteinander verbunden sind.

Typisch für die Zeit des Späthistorismus um 1900 zitiert das Grabmal Bauformen der Antike und der italienischen Hochrenaissance. Der Kaufmann Alfred Roetzschke, der durch Unternehmungen in Manila zu großem Vermögen gekommen war, ließ die 1895 erworbene Grabstätte für 300 000 Mark ausschmücken.

Der Berliner Bildhauer Professor Gustav Heinrich Eberlein hat mit dem Prunksarkophag und der Auferstehenden ein überquellendes, erzählfreudiges Hauptwerk seiner Zeit geschaffen. Eberlein gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Bildhauer, Maler, Kunstgewerbler, Schriftsteller und Kulturpolitiker um 1900. Zu seinen Werken zählen das Goethedenkmal in Rom, das Richard-Wagner-Denkmal in Berlin, Nationaldenkmäler in Buenos Aires und der Deutsche Brunnen in Santiago de Chile. Die Marmorfigur des Grabmals Roetzschke ist die bedeutendste Grabplastik seines Schaffens.

 

Am Donnerstag, den 20. Mai schwebte die Auferstehende unter großem medialen Interesse wieder zurück auf die Grabstelle. Im Herbst 2020 wurde sie für die Restaurierung in der Restaurierungswerkstatt Christoph Hein GmbH verbracht. Mit viel Feingefühl restaurierten Frau Krause und ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen dieses wertvolle Kunstwerk, es erfolgten neben den Reinigungs- und Entsalzungsarbeiten auch eine Versorgung der Risse und zum Schluss der Auftrag eines Schutzwachses.

Um diese Grabanlage mit der wertvollen Plastik zu erhalten, beantragten wir Fördermittel bei Bund und Land. Die Kosten der Restaurierung betrugen 23.800 Euro, davon waren 15.700 Euro Fördermittel vom Bund und Freistaat Sachsen. Der Friedhof wendete Eigenmittel in Höhe von 8.100 Euro auf.

Die Grabstelle Roetzschke zählt zu den 23 national bedeutenden Grabstellen von insgesamt 423 Einzeldenkmalen auf dem Johannisfriedhof, welche in der Broschüre „Steine erzählen Geschichte(n)“ vorgestellt werden.